Die Pastorei in Grotegaste im Jahre 1960

Vom Nachbargrundstück aus fotografiert.

Das etwas höhere Vorderhaus wurde 1798 angebaut. Oberhalb der beiden vorderen Hausecken war beim Übergang zum Dach jeweils ein dreieckiger Stein eingemauert mit der Jahreszahl 1798, darüber ein Hakenkreuz mit abgerundeten Flügeln. In der Bildmitte ist einer der beiden Steine zu erkennen. Darunter in der Ecke befand sich die „Studierstube“ des Pastors mit jeweils zwei Fenstern an der Längsseite und 2 Fenstern an der Frontseite (ein Fenster davon durch Büsche verdeckt). Damit sei festgestellt, dass der Grotegaster Pastor seit 1798 seine Predigten unterm Hakenkreuz verfasste. Pastor Brouer hatte während der NS-Zeit Sorge, die Hakenkreuze würden entdeckt und Ärger bringen. Die Studierstube war neben der Küche in der Regel der einzige beheizte Raum im Haus mit einem Kachelofen. Drei der vier Fenster in der Studierstube wurden zwecks Wärmedämmung in den Wintermonaten mit zusätzlichen Vorsatzfenstern versehen. Auf der anderen Seite der Vorderfront gab es einen um die Hälfte größeren Raum mit einem Kachelofen an der Mauer der Frontseite. Dieser Raum war wohl als Gemeindesaal vorgesehen, denn die Kirch hatte zur Bauzeit des Vorderhauses keine Heizung, so dass im Winter hier eine Ausweichmöglichkeit bestand. Es wurde jedoch nachträglich eine Holzwand eingezogen, so dass in der Mitte des Hauses ein schmaler Gästeraum entstand und der verbliebene Wohnraum dann die gleiche Größe hatte wie die Studierstube. Im Anschluss an die Fenster der Studierstube an dieser Hausseite ist auf dem Foto ein kleineres Fenster erkennbar; es befand sich am Ende des Ganges, der von der Haustür an der gegenüberliegenden Seite quer durchs Vorderhaus führte. Anschließend an das Vorderhaus zeigt das Foto den niedrigeren Mittelbau und danach den breiteren Stall mit Scheune. Dieser Mittelabschnitt war der älteste Teil des Hauses (wahrscheinlich 1644 nach einer handschriftlichen Notiz von Pastor Brouer) und bestand aus `Kamer und Upkamer `. Unter der Upkamer gab es einen niedrigen Keller, der oft unter Wasser stand. Upkamer war das Schlafzimmer von Pastor Brouer, vor seiner Zeit 1912 wurde dort ein großes Fenster eingebaut. Von der Kamer war durch eine Holzwand ein Gang abgetrennt, der in den Stall- und Scheunenbereich führte. Hinter dem Schlafzimmerfenster um die Ecke rum ist auf dem Foto ein kleineres Fenster erkennbar, das 1906 (nach einer handschriftlichen Notiz von Pastor Brouer) zur Küche gehörte, die  dann zur Waschküche wurde, nachdem auf der gegenüberliegenden Hausseite aus einem Teil der Scheune (nach einer handschriftlichen Notiz von Pastor Brouer stammt diese aus dem Jahre 1783) Küche und Dienstmädchenzimmer wurde. Unmittelbar hinterm Haus wurde das Dach überragt von einer uralten Linde, viele hundert Jahre alt und bis in ca. 7 Meter Höhe hohl, so dass man durchkriechen konnte. Ein Naturdenkmal: es wäre zu Pastor Brouers Zeiten niemals gefällt worden.

Enno Brouer,  Juni 2007     

 

Die Pastorei in Grotegaste 1960; abgebrochen ca. 1975

Das Vorderhaus (links) wurde 1798 angebaut. Die Haustür ist auf dem Bild geöffnet und gestattet einen Blick entlang des Gangs durch das Fenster auf der anderen Hausseite. Diese Haustür war wesentlich älter als 1798. In den beiden dunklen Sokelpfosten war eine Jahreszahl eingearbeitet, wahrscheinlich 1644. Ein aus dem Jahr 1752 stammendes Inventarverzeichnis des Konsistoriums vermerkt, dass 1644 eine neue Pastorei gebaut wurde (handschriftliche Notiz von Pastor Brouer). Die Tür war wohl bereits im Vorgängervorderhaus eingebaut. Womöglich hat es vor 1644 überhaupt kein Vorderhaus gegeben, dann wäre eine Eingangstür unterhalb des Schornsteins in der Mitte, also in der Mitte der dann äußeren Frontmauer gewesen. Das hätte bedeutet, das Wohnräume der Pastoren früher nur aus der „Kamer un Upkamer“ bestanden. Diese Vermutung ist nicht so abwegig, denn auch in der alten Lehrerwohnung (Baujahr 1742; handschriftliche Notiz von Pastor Brouer) war für den Schulmeister nur „Kamer un Upkamer“vorgesehen – hintereinander an der Nordseite des Vorderhauses. Die Küche der Pastorei befand sich im Stallbereich. Schlafräume für Knecht und Magd waren fensterlose Butzen in der Wand zur Scheune.

Nach seiner Amtübernahme 1912 hat Pastor Brouer mit viel Liebe und Energie einen prächtigen und großen Garten angelegt mit einem Zier- sowie Nutzteil mit über einem Dutzend Obstbäumen.

Enno Brouer, Juni 2007